Maison Huet
Das Weingut Huet ist ein Monument der französischen Weinbaukultur. Den Weinbau der Region begründeten die Mönche des Klosters Marmoutiers im 4.(!) Jahrhundert. Noel Pinguet, eigentlich Mathematikprofessor, hat den Traditionsbetrieb vor rund 10 Jahren von seinen Schwiegereltern übernommen, er leitete auch die Umstellung auf biologisch-dynamischen Anbau ein. Heute gehört der Betrieb zu den Eliteweingütern (gemeinsam mit Chapoutier, Joly, Fleury, Leroy), die aus voller Überzeugung biologisch (-dynamisch) anbauen, weil sie sicher sind, nur so die Einzigartigkeit ihrer Weinberge und der dort wachsenden Trauben in der Flache zur Entfaltung bringen zu können. Die Vouvrayweine werden aus Chenin gemacht. Daß der so charaktervoll gerät, liegt nicht zuletzt am Alter der Rebstöcke, das größtenteils zwischen 30 und 50 Jahren liegt. Wie beim Sauternes werden die Trauben in mehreren Durchgängen von Hand gelesen. In eher schlechten Jahren entstehen daraus vorwiegend trockene Weine und ein ausgesprochen origineller, leckerer Sekt. In guten Jahren werden die reifsten Trauben zu halbtrockenen, oder wenn der Zuckergehalt es erlaubt, auch süßen Weinen verarbeitet, der Rest s.o....In absoluten Spitzenjahren entstehen praktisch nur edelsüße oder halbtrockene Weine, keine trockenen, auch kein Sekt. Der Alkoholgehalt wäre zu hoch, würde der ganze Zucker durchgären. Der Most vergärt bis zu einem normalen Alkoholgehalt von 12-13° in Eichenfässern und Barriques, dann wird die Gärung gestoppt, der restliche (natürliche) Zucker bleibt Zucker. Er balanciert die fast stürmische Säure des Chenin aus und sorgt gemeinsam mit ihr für das ungeheure Reifepotential dieser Weißweine. Selbst alte Jahrgänge wie der 61er, der 59er oder gar der legendäre 47er haben sich bei aller würdigen Reife eine charmante Lebendigkeit erhalten. Trockene und halbtrockene (die dank der Säure garnicht pappig süß sind) Vouvrayweine passen gut zu Fisch und Meeresfrüchten oder zu feinem hellem Fleisch. Die alten Jahrgänge gibt der Winzer nur noch in kleinen Mengen ab. Sie lagern bei ihm absolut stabil in endlosen Felsenkellern und werden regelmäßig neu verkorkt. Sollten Sie es sich leisten können, einen der (übrigens angesichts der Lagerzeit und der in der 'Pflege' steckenden Arbeit preiswerten) alten Jahrgänge verkosten zu können, genießen sie ihn mit Respekt in aller Ruhe im kleinen Kreis mit guten Freunden oder lieben Verwandten.